Christuswege.net

Teil 4  Verschiedene Themen;
Beiträge zum Dialog mit anderen Religionen


Informationen zu:  Jesus Christus und der Islam.

Der interreligiöse Dialog
Die zusätzlichen Seiten dieses Internetprojekts zu verschiedenen anderen Religionen sind ein Beitrag zum besseren Verstehen derselben und zum interreligiösen Dialog****, wie er seit vielen Jahren stattfindet.
Diese Anmerkungen zum Islam erheben nicht den Anspruch, den Islam insgesamt zu charakterisieren, zumal es auch unterschiedliche Schulen des Islam gibt. 

Der Koran und die anderen Schriftreligionen.
Islam bedeutet "Unterwerfung (sich unterwerfen unter den Willen Gottes)", auch "Hingabe (an Gott)". 
Die Heilige Schrift des Islam, der Koran wird aufgefasst als Inspiration, dem Propheten Mohammed vermittelt durch Gott bzw. durch den Engel Gibril - der manchmal mit dem auch im Christentum bekannten Erzengel Gabriel identifiziert wurde. Sicher ist, dass dem Koran zentrale Bedeutung zukäme. Darüber hinaus spielen zur Auslegung weitere Traditionen (Sunna; wörtlich: "Gewohnheit") mit Überlieferungen aus der Zeit des Propheten (Hadith) eine Rolle. Auch ein Prophet ist in seinem persönlichen Verhalten ein Mensch, kein Gott. Es ist auch zu bedenken, dass es wie unter Christen auch Moslems gibt, die ihre Heilige Schrift nicht genau kennen. 

Christen bzw. Juden werden im Koran teils auch direkt als "Ihr Leute der Schrift" (Leute des Buches, z.B. Sure 4,171*) und. als "Ihr Kinder Israels" angesprochen. So können sie sich auch mit dem Koran*) befassen - auch wenn sie es meist nicht tun. Religionswissenschaft befasst sich jedenfalls mit den Heiligen Schriften aller Religionen, und erforscht u.a. die historische Entwicklung ihrer Auslegung**. Die Heiligen Schriften sollten jedoch mit Respekt studiert werden. Der eine Teil der moslemischen Koran- Kommentatoren schrieb, dass vom Koran eine Urform - wohlverwahrt bei Gott - existiert, die nur den reinen Engeln und den reinen menschlichen Gesandten zugänglich ist; ein anderer Teil von ihnen interpretierte, dass der Leser des auf der Erde vorliegenden Koran in einem reinen Zustand sein soll.

Der Prophet gilt als gesandt für eine "Zeit" (oder Zwischenzeit; andere Übersetzung: "nach einer Zwischenzeit"), in der die Gesandten ausgeblieben sind (Sure 5,19*). Der Koran unterscheidet Gläubige im Sinne der Lehren des Propheten Mohammed, "Leute des Buches" (Leute der Schrift), und "Ungläubige". Mit den "Leuten des Buches" sind insbesondere Juden und Christen gemeint, die neben den Moslems auf derselben Tradition fußen; manchmal auch die Zarathustrier ('Magus', vgl. Sure 22,17*). Denn der Koran anerkennt auch eine Kette der "Propheten", die alle übereinstimmende Lehren vom Einen Gott, vom jenseitigen Gericht und dem Gebet für ihre Völker bzw. für ihre Zeit gaben (z.B. Sure 6, 83-92; Sure 7, Sure 4,136*). Insoweit Menschen dieser Religionen an diese gemeinsamen Grundlagen glauben, werden sie im Koran selbst  nicht zu den Ungläubigen gerechnet. (Sure 5,48 u.a.*) In den ersten Jahrhunderten des Islam wurde auf Christen und Juden kein Zwang ausgeübt, zum Islam überzutreten (der Lehre im Koran entsprechend, "In der Religion gibt es keinen Zwang", s. Sure 2, 256*).
Abraham gilt als einer der "Hanifen", die als Einzelne direkt zum Glauben an den einen Gott fanden.
Allah - vorislamisch altarabisch al-ilah - hat als semitisches Wort sicherlich denselben Ursprung wie "Elohim", einem Gottesnamen der hebräischen Bücher Mose.

Als "Ungläubige" - wörtlich ungefähr: "Verhüller" - im strengen Sinn galten zur Zeit des Propheten Mohammed die Polytheisten, bzw. Götzendiener, gegen die er in Arabien kämpfte, und vor denen auch schon die Bibel der Juden und der Christen gewarnt hat. Im weiteren Sinn gelten im Islam heute Diejenigen als ungläubig, die nicht an den einen Gott und das Gericht glauben. Manchmal wird der Begriff heute fälschlich pauschal auf alle Nichtmoslems angewendet; manchmal sogar auf Moslems einer jeweils anderen Richtung.

Jesus Christus.
Jesus wird neben der Bibel auch im Koran (7. Jahrhundert n. Chr.) erwähnt. Dabei gibt es Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Es sei darauf hingewiesen, dass der Koran Jesus in mehreren Stellen als Propheten, als Gesandten Gottes,  und auch als "Wort" Gottes mit nicht näher erklärter Bedeutung, und als ein Geist von Gott anerkennt (Sure 4,171*), "erschaffen wie Adam" (Suren 2; 3,47 und 3,59; 5,...*). Er gilt also in einem wohlverstandenen Islam auf jeden Fall mehr als bei jenen modernen christlichen Theologen, die nur den Sozialreformator Jesus übrigließen! Lediglich die Lehre von der - von den Christen der Zeit Mohammeds schon sehr irdisch verstandenen - Gottessohnschaft Jesu im Rahmen der späteren Dreifaltigkeitslehre wurde im Koran nicht akzeptiert; Christen, die das, was ursprünglich gemeint war, noch so authentisch hätten erklären können, dass auch Menschen mit anderem Ausgangspunkt das verstünden, gab es kaum noch. (Z.B. Sure 6,101*). I
m Römerbrief 1.4 heißt es, dass Jesus in seine Kraft des Geistes der Heiligkeit "als Sohn eingesetzt" - also nicht als Sohn geboren - wurde. Mit der muslimischen Überzeugung, dass Gott ungeboren ist und Jesus nicht geboren sondern erschaffen hat, damit könnten insoweit Christen eigentlich übereinstimmen. Weiter ist der Begriff (griechisch) "logos" - der in der Bibel gerade für die göttliche Herkunft bzw. Sendung von Jesus Christus steht - in den Evangelien auch als "Das Wort" (siehe oben) übersetzt worden, das im Koran für Jesus gebraucht wird. Sind in den Inspirationen des Koran - wie in der Bibel - Geheimnisse verborgen, die weder Muslime noch Christen bisher voll ergründet haben, sodass sie sich nutzlos um Begriffe streiten? Auch wo Christen diese Lehren so präsentieren, dass sie als "Vielgötterlehre" verstanden werden könnten, entspricht dies nicht der Art, wie Jesus selbst gelehrt hat: "Betet in meinem Namen (d.h. innerlich verbunden mit Jesus) zum Vater (Gott)" (Johannesev. 15:16). Alles dreht sich im Leben Jesu um den einen Gott, mit dem er eng verbunden war, und zu dem gerade er die Menschen hinführen kann. 

Der Begriff "Logos" (im Johannesevangelium 1 das "Wort Gottes", eine Bezeichnung, die dort mit Christus verbunden ist) kommt in Parets Koran-Übertragung unabhängig von Jesus vor, wird aber in anderen Koranausgaben als Gottes "Angelegenheit" bzw. Gottes "Befehl" aufgefasst (Sure 13,2 und 13,11*).

Der Koran sieht Jesus "wie Adam", den Gott aus Erde erschuf (Sure 3,59*) und spricht von einem "Gottgesandten" aus dem Geist Gottes, der Miriams (Marias) jungfräuliche Geburt Jesu vermittelte. (Sure 19,17-22*). In der christlichen Version kündigt der Engel des Herrn die Geburt Jesu aus dem Heiligen Geist an. Auch heißt es im Koran, Jesus wurde mit dem Heiligen Geist / Geist der Heiligkeit gestärkt (Sure 5,110*).

Lt. Koran kündigte der junge Jesus seine Auferweckung an (Sure 19,33*), womit allerdings auch seine Wiederkunft am "jüngsten Tag" (dem Gericht, mit der Auferstehung der Gläubigen, gemeint sein könnte, die im Koran häufig genannt wird, s.u., Sure 4,159*) Der Koran spricht davon, dass Jesus lebend in den Himmel erhoben wurde (Sure 4, 157 -159, Sure 3,55*)
Moslems und Christen sind sich nicht einig darüber, ob Jesus vor seiner Himmelfahrt gekreuzigt wurde, starb und durch Gott den Tod überwand – wie die Christen sagen -, oder ob er ohne Kreuzigung lebendig in den Himmel erhoben wurde - wie Muslime glauben. Gemeinsam ist aber der Glaube, dass er zu der Zeit als er erhoben wurde, keineswegs „tot" war, sondern z.B. die Menschen belehrte.
Schon in der Sure 3,55 bzw. 5,48* heißt es, „...ich werde ihn rein machen" und „...werdet ihr alle zu mir zurückkehren, und ich (Gott) werde zwischen Euch entscheiden über das, worüber ihr Euch (im Erdenleben) uneins wart". Die Lösung einiger verbliebener Geheimnisse könnten Christen und Moslems daher in Ruhe abwarten, statt zu streiten.

Desgleichen enthält der Koran die Auferstehung der Gläubigen zur Zeit des Gerichts (Sure 36,77-83; Sure 69,13-37; Suren 75 und 99 u.a.*). Jesus wird dann wiederkommen und über die gläubigen Leute der Schrift Zeuge sein (Sure 4,159; vgl. Sure 16,89*). Diejenigen, auch Nichtmuslime, die an Gott und den jüngsten Tag glauben, "und tun was recht ist" (im Sinne der Gebote), haben lt. Koran das Gericht nicht zu fürchten (Sure 2,62; Sure 4,123-124; Sure 7,170*). Das Gericht ist im Koran wie in der Bibel eindeutig eine Sache Gottes, und nicht eine Sache der Menschen, egal ob Christen, Moslems oder Juden. 
(Solche Vergleiche zwischen den Religionen dienen hier nicht dazu, die Unabhängigkeit des Koran zu bezweifeln.)

Ethische Grundlagen.
Auch die ethischen Grundlagen der 3 "abrahamitischen Religionen" sind eng verwandt. Die Gebote kommen, wenn auch nicht gleich aufgelistet, auch im Islam vor, u.a. in Sure 17,22-39; Sure 5,38-40; Sure 2,188; Sure 4,135; Sure 2,195; und Sure 17,70* (Menschenwürde). Der Koran verbietet z.B. strengstens und ausnahmslos das Töten Unschuldiger (z.B. Sure 5,27-32*). Der Begriff "Jihad" (Gihad, gesprochen Dschihad), bedeutet nur: "Kampf" bzw. "Anstrengung"; die Bedeutung "Heiliger Krieg" entstammt nicht dem Koran, sondern Aussprüchen Mohammeds und islamischen Rechtsschulen.***) Die geistig -moralische Arbeit im Inneren an den eigenen gottfernen Leidenschaften gilt als der "Grosse Jihad", dem größere Bedeutung beigemessen wird als allen äußeren Auseinandersetzungen. (Vgl. z.B. die Botschaft Jesu, "zuerst den Balken aus dem eigenen Auge zu ziehen..."- Viele äußere Konflikte würden so ihre Grundlage verlieren.) Der "Jihad des Wortes" ist die friedliche Vertretung des Glaubens. Der "Jihad mit der Hand" ist das tätige, belehrende Beispiel des Gläubigen. Der "Jihad des Schwertes" wird auch der "Kleine Jihad" genannt; er ist nur zur Verteidigung angegriffener Gläubiger und "ohne Übertretungen" gestattet (vgl. Sure 2,190*). Die "Heftigkeit" des Umgangs mit Andersgläubigen ist jedoch auch im Koran angelegt (Sure 48,29, Sure 47,4*); derartige "heftige" Passagen können verglichen werden mit andersartigen Stellen, wo sie ihre Grenze finden, (wie
"In der Religion gibt es keinen Zwang", Sure 2, 256). 
Umfangreich sind die traditionellen Regeln zum Umgang zwischen den Geschlechtern incl. dem Verbot der Ehe mit Angehörigen anderer Religionen usw. 

Zur islamischen Praxis gehören: "Die Bezeugung, dass es keinen Gott außer Gott (Allah) gibt und Mohammed der Gesandte Gottes ist; 
dass die vorgeschriebenen 5 täglichen Gebete verrichtet werden (Sure 2,177*)
das jährliche Fasten im Monat Ramadan eingehalten wird (Sure 2,185*);
die Pilgerfahrt möglichst einmal im Leben vollzogen wird (Sure 2,196*);
und die Zakkat (Abgabe für soziale Zwecke) gezahlt wird (Sure 2,177*)".

Im heutigen Islam gibt es keine zentrale Stelle, die über religiös- ethische Fragen entscheidet. Jedoch würden Positionen, die von einer deutlichen Mehrheit der angesehenen Rechtsgelehrten geteilt werden, wahrscheinlich breit akzeptiert werden.

*) Benutzt wurde u.a. "Der Koran, Übersetzung von Rudi Paret", Kohlhammer-Verlag, welche Übertragung wissenschaftlichen Ansprüchen genügt, und deutlich zwischen wörtlichen Übersetzungen und Einfügungen zum besseren sprachlichen Verständnis unterscheidet. Benutzt wird hier die ägyptische Verszählung. Andere Übersetzungen können eine der anderen zwei Verszählungen benutzen; dann finden Sie die erwähnte Stelle kurz vor oder nach der angegebenen Versnummer in der selben Sure; z.B. kann sie in der Ausgabe der Ahmadiyya Muslim Jamaat einen  Vers später stehen. Die schwere Übersetzbarkeit des Koran gilt nicht so sehr für solche klaren Stellen, wie die angegebenen. Die Bedeutung der Koranstellen wurde auch mit "Der Koran, übersetzt und kommentiert von Adel Theodor Khoury, 2007" abgeglichen, dessen Übertragung auch bei islamischen Gelehrten Anerkennung gefunden hat, und dessen Kommentar die traditionelle Auslegung der islamischen Rechtsschulen berücksichtigt.

**) Zur geschichtlichen Entwicklung der Koranauslegung und der verschiedenen Schulen siehe Hans Küng, "Der Islam Geschichte, Gegenwart, Zukunft" oder die Sonderausgabe 2007 als "Der Islam Wesen und Geschichte", Piper-Verlag. Ausführlichere Hinweise auf die mystischen und die früher vorhanden gewesenen philosophischen Traditionen in der Geschichte besonders des iranischen Islam gibt es in französischer Sprache: Henri Corbin, "En Islam iranien. Aspects spirituels et philosophiques" I, II, III. Paris. (Soweit Bücher Anderer erwähnt sind, heißt das nicht automatisch, dass alle Ansichten darin unterstützt würden.)

***) Auch die historischen "christlichen Kreuzzüge" waren nicht biblisch begründet, sondern menschliche Taten, und stehen z.B. bei vielen europäischen Christen heute in schlechtem Ruf.

****) (Vgl. dazu im Islam die Koran-Sure 164, Vers. 125.

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