Christuswege

Logo: gezeichnetes christliches Kreuz und Erdsymbol

Haupttext Teil 1, Die Schritte in den Evangelien;
Kapitel :

(Christliche Gesichtspunkte zu Sexualität, Sympathie, Einfühlung und Liebe).

Es könnte nahe liegen, bereits im Anschluss an das Motiv der „Hochzeit" in Kana - Joh.2, 1-12 - noch direkter auf die heutigen Unklarheiten im Bereich der Liebe einzugehen. (Ausführlichere Extraseite dazu s. Homepage/ "Verschiedene Themen, praktische und biblische Fragen")

Christus spricht jedenfalls Menschen in ihrem Kern und ihrer Möglichkeit zur Ganzwerdung, zum Vollkommenwerden an, was allein eine Grundlage zu wirklicher Freiheit schafft. Er redet nicht dem weiteren Auseinanderfallen der ohnehin bereits stark auseinander gefallenen Teilbereiche des Menschen das Wort, also auch keinem ekstatischen Ausleben von Allem, sondern eher deren Neuintegration um die „Herzensweisheit" herum.

Christus steht für die Verantwortung der Menschen füreinander. Er ist aber auch nicht ein Vertreter von „Sachzwängen", von äußerlichen Formen und deren Überbewertung, oder gar des Missbrauchs der Begriffe Verantwortung, Treue und Ehrlichkeit zur Verbrämung von Neid, Eifersucht und Besitzgier; es geht ihm um den Geist, aus dem heraus gehandelt wird. Auch in der Ehe ist für ihn nicht automatisch alles bestens; was außerhalb als ungünstig betrachtet wird.

Gott zu lieben - und die Naechsten - wie sich selbst, also auch sich selbst; jene Regel also, die Christus gegenüber der Verbotslogik des Alten Testaments betonte, beschreibt zunächst eine universelle Haltung, die alle diese drei Bereiche durchzieht und verbindet (siehe Mk 12:33; Joh. 13:34; Gal. 5:14; Jak. 2:8). In diesem Zusammenhang ist dann die Nächstenliebe etwas Anderes als bloß instinktives Sorgen für Verwandte usw. – kann aber auch Verwandte in freierer Weise einbeziehen. Aufgrund dieser Rolle des Menschen als liebende Hilfe, wo immer sie angebracht ist, ist dann auch die Selbstliebe nicht jene egoistische, sondern sie ist zwar auf die Liebe zu sich – einschließlich des Körpers als Werkzeug – gerichtet, durch das aber auch Anderen bzw. Gott gedient wird.

Die höchste Form der Liebe ist bedingungslos. Vgl. sogar die Liebe zu "Feinden", Matth. 5, 43-48 - was nicht heißt, auf Weisheit zu verzichten.

Für heutige Europäer kann etwas von einer Verwandlung der Sexualitaet besonders dann erlebt werden, wenn zwei Menschen erst einmal bei Unternehmungen geistig und seelisch in Kontakt kommen; und dann dabei lernen, mit Anti-/Sympathieausstrahlungen umzugehen – nicht in erster Linie diese, aber eben auch diese, müssten für das Finden auch nach außen sinnvoller Kontakte beachtet werden. Erst später käme die körperliche Ebene hinzu; sie gehört nicht automatisch zu jeder Freundschaft oder jeder Begegnung dazu. Dementsprechend gehört zu einer neuen Begegnung auch nicht automatisch eine Trennung vom bisherigen Partner, wie es oft geschehen ist. Eher gehört eine liebevolle Grundstimmung dazu. Die Herzkräfte können spürbar sexuel le Energien mit hoch ziehen, und diese müssen nicht explosiv zum Verschwinden gebracht werden, wie heute aus kultureller Konditionierung heraus üblich.

Die geschlechtliche Liebe - Eros" - ist so ein Spezialfall der universellen Liebe - "Agape", muss also nicht zu dieser im Widerspruch stehen. Dies hat insoweit auch die neue päpstliche Enzyklika "Deus caritas est" anerkannt.

Viele andere spirituelle Traditionen lehren statt Verdrängen und statt staendigem Ausleben eine Transformation der Sexualitaet, die auch mehr sein kann als Freudsche „Sublimierung". Es gab auch im christlichen Bereich Ansaetze in dieser Richtung, die heute vorerst verschollen sind, und so eben neu erarbeitet werden müssen; so zeigen manche Hinterlassenschaften der Minnesaenger und Troubadours diesbezügliche Kenntnisse.

Da bei Sexualitaet unterbewusste Verwicklungen stattfinden können, wird sie als Gratwanderung in den verschiedensten Religionen an eine Partnerschaft geknüpft, wo damit in der Folge auch gemeinsam umgegangen werden kann. Wer diese Erfahrung in einem strengen Sinne der Ehe vorbehalten möchte, kann dies dann schaffen, wenn bei vorherigen Freundschaften beide rechtzeitig bewusst klären, was sie wollen und was nicht, und sich darin unterstützen. 

Dieser alte Ansatz, den Jesus gelten lässt, bis hin zur negativen Charakterisierung eines begehrlichen Blicks auf z.B. eine Partnerin eines Anderen, sollte jedoch eine höhere Quelle unmittelbarer begeisterter Begegnung zweier fremder Menschen nicht ausschließen - die häufiger als angenommen beteiligt ist und selbst von den Betroffenen nicht immer richtig verstanden wird: „Wenn zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen" (oder in einer ebenfalls richtigen Übersetzung „in ihnen"). Dies erfordert keine angesagte kirchliche Versammlung, keine besondere Vorbereitung, sondern kann überall geschehen, wo der „Geist Christi" zwei Menschen zu irgendeinem möglichen Zweck zusammenführt. Dies auch da aufzugreifen, wo es sich um einen Mann und eine Frau handelt, und auch da, wo diese sich zusaetzlich sympathisch sind, und dabei das durchaus klare Bewusstsein aufrechtzuerhalten, das der Ausgangspunkt ist, mag schwierig sein; aber es ist eine Weltnotwendigkeit. Dabei muss es weder um Bindungen noch um Sexuelles gehen, sondern die Betroffenen müssen es ehrlich herausfinden, um was es geht.

Schon das Erdenleben Jesu weist ihn als denkbar unkonventionell aus. Es könnte sich herausstellen, dass Konventionen höchstens solange nötig sind, wie er „nicht unter ihnen ist".

Eine von den Einzelnen selbst verbesserbare Voraussetzung für angemessene Begegnungen zwischen Menschen ist naturgemäß ein Studium der eigenen Individualitaet einschließlich der „Aura" bzw. Ausstrahlung. Selbst als Paar bleiben sie dann Individuen, eine völlige Auflösung der beiden im Paar wird jedenfalls von Christus nicht angestrebt.

*) Die Menschheit ist ein kompliziertes Netzwerk, was in den nächsten Kapiteln klarer werden mag .

 

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